Unbezahlte Patentprüfer: ein Erfolgsmodell

oder ein Schildbürgerstreich?
English

Laut einem Bericht in Heise TR berichtet Prof. Beth Noveck ein Buch “Wiki Government” von den Erfahrungen des Projektes Peer To Patent und stellt dieses als Modell für eine Bürgerbeteiligung in der Verwaltung dar. Rätsel gibt dabei unter anderem die Behauptung auf, durch Einbeziehung zahlreicher Freiwilliger erreiche man besseren Geheimnisschutz während der ersten 18 Monate, in denen ein Patent noch nicht offen gelegt wird.

  • Ralf Grötker @ Heise TR: Der Mitmach-Staat
    • Peer To Patent als Modellprojekt welches zugleich die Patentierung ebensolcher Zusammenarbeit verhindert:

      Unter der Patentanmeldung Nr. 20090157497 lag ein solches Verfahren im vergangenen Jahr der US-Patentbehörde zur Begutachtung vor: “Systems and methods for generating revenue from social interaction”, “Systeme und Methoden, um Einnahmen aus gesellschaftlicher Interaktion zu erzeugen”. Kann man so etwas patentieren? Einer der Menschen, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben, ist der New Yorker Student Jason DeVeau Rosen. Er ist registrierter Bürger-Experte bei “Peer to Patent”, einem vor ungefähr drei Jahren ins Leben gerufenen Online-Dienst, der die amerikanischen Patentbeamten bei ihrer Arbeit unterstützen soll. In dem Webforum, das sich mit dem Antrag Nr. 20090157497 befasst, weist DeVeau Rosen darauf hin, dass es bereits ein ähnliches Patent gebe.

    • Seltsames Argument: Bessere Vertraulichkeit durch Wiki-Einsatz
      • P2Pat kommt besonders in den ersten 18 Monaten der Lebenszeit des Patents zum Einsatz, während derer das Patent noch geheim gehalten werden muss. Wirklich? HeiseTR behauptet es.
      • Anders als Patentbeamte können Freiwillige in Suchmaschinen suchen, ohne dabei dem Betreiber Geheimnisse über noch nicht offengelegte Patente zu verraten.
      • Sollte da nicht lieber das Patentamt mit IP-Anonymisierern wie TOR oder mit wechselnden externen IP-Adressen arbeiten, statt die Geheimnisse zahlreichen Freiwilligen anzuvertrauen, deren Motive und Verhalten kaum jemand kontrollieren kann und will?
    • Peer to Patent setzt auf Untergliederung in Arbeitsgruppen – ist das noch Wiki oder nicht eher schon ein Redaktionssystem (wie etwa die Zope-Anwendungen Plone und Nuxeo oder auch das auf eupat eingesetzte System)?

      “Die Webseite zerteilt die anstehende Arbeit in klare und zu bewältigende Aufgaben. Die Leute können sich aussuchen, in welcher Phase eines Projektes sie einsteigen wollen”, erklärt Noveck in ihrem Buch “Wiki Government” die Struktur des Projekts. Eine andere Vorgabe: Teamspiel ist Pflicht. “Wir hätten schneller und mehr Leute mobilisieren können, wenn wir es nicht zur Bedingung gemacht hätten, dass sich jeder Teilnehmer einer Gruppe anschließen muss.” So erfolgt die Patent-Begutachtung bei Peer-to-Patent nicht in einem offenen Forum, sondern in festen Teams, deren Mitglieder einander aufmuntern, kritisieren oder um Rat fragen können. Gerade solche Mechanismen von Ermutigung und sozialer Kontrolle sind wichtig, damit der Informationsfluss in Gang kommt.

    • Mein Unbehagen über Projekte, die Idealisten für ein möglichst schlagkräftigen Patentwesen unbezahlt arbeiten lassen wollen, s. Kollektive Schutzschilder gegen Softwarepatente? und Make Polluters Pay, bekommt noch weitere Nahrung.
[ EU-Patent | 2010 | April | P2Pat| April| Was War| Was Wird ]
Gültiges XHTML 1.0! deplate
http://eupat.ffii.org/10/04/p2pat
© 2010-04-07 Hartmut PILCH