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Logikpatente > Akteure > Herta Däubler-Gmelin
Fritz TEUFELHerta Däubler-GmelinEdelgard BulmahnGerhard Schröder

Herta Däubler-Gmelin und Logikpatente: vehement dagegen, beharrlich dafür

Allen öffentlichen Äußerungen von 1999 bis 2002 zufolge scheint die Bundesministerin der Justiz nicht nur fest an die "Belohnungstheorie" und die a priori segensreichen Wirkungen des Patentwesens zu glauben, sondern sich auch durch eine besonders patentfreundliche Politik profilieren zu wollen. Bei Gesprächen in kleinerem Kreise zeigte sich, dass die Ministerin Schwierigkeiten hat, sich eine Welt vorzustellen, in der nicht jede kreative Idee einzeln vom Staat mit einem Monopol belohnt wird. Auch in der Frage der Genpatente macht sich die Ministerin, trotz gelegentlicher Skrupel hinsichtlich der Fragen der ethischen Vertretbarkeit von Genmanipulationen, vehement für eine weitgehende Patentierbarkeit stark und scheut dabei auch nicht Dissonanzen innerhalb der Koalition. Sie scheint generell fast blind dem Rat des Münchener Patentpapstes Prof. Straus und der Führung des Deutschen Patentamtes zu vertrauen. Auch hinsichtlich der Organisations- und Rechenregeln (Software) verfolgte Däubler-Gmelin langezeit eine patentfreudige Linie, aber nach einigen harten Diskussionen konnte sie sich im November 2000 dazu durchringen, energisch für eine Vertagung der geplanten Änderung des EPÜ einzutreten. Im Frühjahr 2001 äußerte Däubler-Gmelin für die Presse "vehemente Kritik" daran, dass die EU-Kommission "Programme als solche" patentierbar machen wolle. Unter "Programm als solches" versteht D.G. jedoch nur den urheberrechtlich geschützten Ausdruck, dessen Patentierung ohnehin von niemandem angestrebt wird. Hinter den Kulissen arbeiteten Däubler-Gmelins Ministerialbeamte weiter auf eine grenzenlose Patentierbarkeit hin. In geheimen Stellungnahmen (z.B. der Antwort der Bundesregierung auf die Sondierung von 2000/10 sowie Redebeiträgen auf Sitzungen) ermutigten die BMJ-Patentreferenten alle Brüsseler Initiativen in diese Richtung. In internen Papieren der EU-Kommission wird die Bundesregierung zusammen mit der Britischen Regierung zu den Proponenten einer möglichst unbegrenzten Patentierbarkeit gezählt. Auf Sitzungen der Arbeitsgruppe für Geistiges Eigentum und Patente des Europäischen Rates setzten sie sich mehrfach dafür ein, über den Vorschlag der Europäischen Kommission hinaus auch unmittelbare Patentansprüche auf "Computerprogrammprodukte" und andere Informationsgegenstände zuzulassen. Ein offener Brief von MdB Tauss an Frau Däubler-Gmelin, der hier Gegensteuerung verlangte, blieb unbeantwortet. Überredungsversuche des Virtuellen Ortsvereins der SPD prallten auch hart an Frau Däubler-Gmelin ab.
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deutsche Version 2003/12/15 von PILCH Hartmut