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Es gibt viele, viele Unternehmen, bei denen der Bilanzwert zu 75 % und mehr aus immateriellen Gütern besteht. Das können Lizenzrechte für Filme sein, selbstentwickelte Software, oder eben auch Patente. Selbst bei nicht-patentierten Eigenentwicklungen kann man beliebig viel Müll in die Bücher schreiben: Was ist denn nun eine Software wert? Den Herstellungspreis ("Mannjahre mal Gehalt") oder das, was man am Markt zu erlösen gedenkt? Wie läuft die Abschreibungskurve? Wann sind Wertminderungen erforderlich?
Das nette bei Patenten ist, daß man endgültige Entscheidungen jahrelang in die Zukunft verlagern kann, wenn man nur genügend lange sinnlose Streitereien anzettelt. Selbst wenn das viel Anwalts- und Gerichtskosten produziert, kann das für Unternehmen immer noch einen deutlichen Gewinn darstellen. Weil die Blase bestehen bleibt, innerhalb derer man lebt.
Es scheint kaum noch Unternehmen zu geben, die tatsächlich "seriös" wirtschaften.
Das hat zwei ganz banale und im heutigen Gefüge auch nachvollziehbare Gründe, ob man sie nun mag oder nicht:
VCs haben keine wirkliche Vorstellung davon, was Patente im IT-Bereich sind und was für Auswirkungen sie haben. Sie wissen nur, was für Wirkungen - ganz grob betrachtet - ein Patent allgemein hat, und daß diese Wirkungen schädlich für die Konkurrenz und gut für das begutachtete Unternehmen sind. Wenn VC-ler die Claims verstehen und ansonsten eine Menge technisches Gebrabbel in der Patentschrift enthalten ist, dann reicht das völlig aus. Ich vermute, daß nur ein sehr geringer Prozentsatz von den VCs gegenüber angeführten Patenten tatsächlich tiefergehend überprüft werden.
Auch was den zweiten Punkt angeht darf man nicht vergessen, daß VC-ler aus der Finanzwirtschaft kommen und in der Regel null Ahnung von dem haben, womit die von ihnen finanzierten Firmen später ihre Gelder verdienen wollen. Sie sind also dringend auf externe Entscheidungshilfen angewiesen, andererseits teilweise aber hinreichend arrogant, sich nicht offen am Markt beraten zu lassen. Man will sich schließlich nicht in die Karten schauen lassen. Die eigenen Bewertungskriterien werden teilweise als halbes Staatsgeheimnis gehütet, was zwei Gründe haben kann:
Und dann noch etwas ganz anders: Die meisten VC-Gesellschaften, die in den gloriösen Jahren des ausgehenden letzten Jahrtausends entstanden sind, wurden ja quasi auf die grüne Wiese gestellt. Die Leute, die dort Entscheidungen zu fällen hatten, waren oft noch unerfahren und mußten sich sehr schnell irgendwelche Kriterien erarbeiten, die für sie auch mit geringer Praxis- und Branchenerfahrungen greifbar sind.
Interessanter ist meines Erachtens aber, daß Patente für sich eine Art künstliche Währung darstellen. Man kann damit handeln und hat wieder ein immaterielles Etwas, womit Umsatz und große Bilanzsummen generiert werden können. Beides zusammen sorgt wiederum für Kreditwürdigkeit. Gleichzeitig sind immaterielle Posten die Stelle, wo in der Buchführung eines Unternehmens am leichtesten manipuliert werden kann. Das gilt aber nicht nur für Patent-Deals, sondern auch z. B. für Film-Lizenzgeschäfte.
Wie werden nach HGB, US-GAAP, IAS etc Patente bilanziert?
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