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Dringender Aufruf an nationale Regierungen und Parlamente
Tag der Bananen-Union

Die Regierungen Europas sind dabei, ihre Unterschrift unter einen Richtlinienentwurf zu setzen, der uneingeschränkte Patentierbarkeit und Patentdurchsetzbarkeit auf "computer-implementierte" Algorithmen und Geschäftsmethoden erlaubt. Die Einigung im Ministerrat vom 18. Mai 2004 verwirft dabei ohne jede Rechtfertigung und auf demokratisch nicht legitimierte Weise wohlbedachte Entscheidungen des Europäischen Parlaments und der beratenden EU-Organe. Die Stimmenmehrheit auf der entscheidenden Sitzung wurde stattdessen durch irreführende Formulierungen und fragwürdige diplomatische Winkelzüge gesichert. Die Unterzeichnenden, führend im Bereich von Softwareinnovation und der Diskussion über deren Sicherung im rechtlichen Rahmen Europas, fordern von den verantwortlichen Politikern, die Notbremse zu ziehen und den Prozess der Gesetzgebung im Wettbewerbsrecht zu reorganisieren.
Empfänger:
Führungsspitzen von 25 Regierungen und Parlamenten sowie andere betroffene Politiker
Betreff:
Softwarepatent-Richtlinie: Aufforderung zur erneuten Diskussion im Rat
Qualifiziert? Ausweg Parlament s. Anhang A
  1. der Rat in der Wettbewerbsrechtssitzung vom 18.5.2004 eine qualifizierte Mehrheit für eine Version der Softwarepatent-Richtlinie 2002/0047 COM (COD) erreicht hat, die uneingeschränkte Patentierbarkeit und Patentdurchsetzbarkeit von "computer-implementierten" Algorithmen und Geschäftsmethoden erlaubt. Es ist allgemeiner Konsens von Ökonomen und IT-Unternehmern, dass ein solches den US-Verhältnissen entsprechendes Patentregime sich desaströs auf Innovation, Wettbewerb und Wachstum der wissensbasierten Wirtschaft auswirkt.
  2. der vorgeschlagene Text darauf ausgelegt ist, die Minister über seine tatsächlichen Auswirkungen in die Irre zu führen. Er besteht aus vielen Sätzen der Form "Software ist ... [ rhetorisch überladene Betonungen ] ... nicht patentierbar, außer ... [ Bedingung, die sich bei näherem Hinschauen als immer wahr entpuppt ]". Derartige Scheinbeschränkungen prägen den Vorschlag und insbesondere die zentralen Bestimmungen, die zur Überzeugung der Minister herangezogen wurden. (s. Anhang A).
  3. die Leitung der Ratsabstimmung die Teilnehmer mittels Täuschung, Druck und überraschenden Änderungen zur Zustimmung gedrängt hat. Letztlich ist sogar unklar, ob überhaupt eine qualifizierte Mehrheit zu Stande gekommen ist. Mit Sicherheit kann man sagen, dass nur eine Minderheit der Regierungen wirklich mit dem übereinstimmen, was beschlossen wurde. Gleich in mehreren Fällen haben die nationalen Vertreter hingegen ihr Land falsch vertreten, Übereinkünfte zwischen verschiedenen Ministerien ignoriert oder gar gegen die Vorgaben ihrer Vorgesetzten gehandelt. (s. Anhang B).
  4. der Richtlinienentwurf des Ministerrates weit gehend sinn- und textgleich mit Fassungen der Europäischen Kommission und des JURI-Ausschusses ist, die vom Europäischen Parlament vermittels einer umfassenden Serie von Änderungen entschieden abgelehnt worden sind. Diese Änderungen sind geleitet von den Forderungen der übergroßen Mehrzahl von innovativen Softwareproduzenten und Innovationsforschern in der EU, einschließlich der Autoren von Studien, die die Kommission selbst angefordert hat, und einschließlich der Mitglieder der beratenden EU-Organe. (s. Anhang C).
  5. der Rat die Arbeit des Parlaments und der beratenden Organe ohne Rechtfertigung und ohne demokratische Legitimation einfach ignoriert und verworfen hat. Der Text wurde nicht als Mittel zum Erreichen irgendeines politischen Ziels präsentiert, sondern als "Kompromiss" zwischen den Regierungen. Er wurde im Geheimen verhandelt, zwischen Ministeriumsvertretern, die meist für die nationalen Patentämter zuständig und mit dem patentjuristischen Milieu eng verbunden sind.
  1. die Ratspräsidentschaft dazu zu bringen, die Abstimmung über die Softwarepatent-Richtlinie (2002/0047 COM (COD)) von der Tagesordnung der nächsten Ratssitzung zu streichen, wo sie momentan ihre formale Bestätigung erwartet.
  2. den Vorgang den Händen der Patentbürokratie zu entwinden und den Text und seine Auswirkungen wieder unter einem politisch geprägten Blickwinkel zu betrachten. Die Bestimmung der Vertreter in der Ratsarbeitsgruppe sollte öffentlich vorgestellt und debattiert werden (dort, wo der rechtliche Rahmen die den Parlamenten erlaubt).
  3. auf andere Regierungen einzuwirken, ebenso zu handeln, eine umfassende Reform des EU-Rates zu forcieren und so in Zukunft Katastrophen wie die momentane zu verhindern.

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© 2005-04-16 (2004-06-25) Hartmut PILCH
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