| Berlin 20000518 | FFII | Aharonian | Appel | Rapport |
|---|
Vier FFII-Mitglieder waren bei der Konferenz anwesend. Aus ihren Notizen wird hier in Kürze ein Bericht zusammengestellt
Notizen aus Sicht von Bernhard Reiter
[Selbstverständlich nicht vollständig, sondern nur dass, was ich aus meiner Sicht verstanden und notiert habe. Mitunter finden sich ein paar Anmerkungen von mir in eckigen Klammern. Ich bitte zu entschuldigen, dass manche Argumente nur teilweise vorhanden sind. Trotzdem habe ich Fragmente aufgenommen, weil sie weiteren Personen als Gedächnisstütze dienen können. Es ist keine wörtliche Rede, sondern nur sinngemäß wiedergegeben.]
Auf dem Podium nahmen Platz, von links nach rechts:
Herr Pilch Frau Weber-Cludius Herr Soquat Herr Hössle Herr Aharonian
Ziel: Langfristige Förderung der Wirtschaft.... wichtig dabei der technische Fortschritt definiert durch....
Es gibt genügend Anreize durch das Patentwesen. Es ist ein Monopolrecht, andere von der Nutzung des neuen Wissens auszuschliessen. Dafür wird dieses Wissen für die Volkswirtschaft offengelegt.
Eine der Fragen: In wie weit ist Software eine schöpferische Leistung? Es ist schliesslich Aufwand nötig. Ist sie patentfähig, ja oder nein? Was ist mit Anwendungen im Internet? Beispiel: OneClick
im Grunde gibt es einen Zielkonflikt: Anreize schaffen im Gegensatz zur Behinderung der Entwicklun und des Wettbewerbs.
Für die Revision allerdings spricht: Die Übereinstimmung mit dem TRIPS. hier wird besagt, dass alle Erfinderischen Tätigkeiten patentierbar sein sollen. Andere Länder wollen das Gebiet Programm als ein Gebiet der Technik da nicht ausschliessen.
Software erfordert erheblichen Investitionsaufwand.
Das Problem der Recherche besteht in allen Technikbereichen. Es ist in der Praxis nicht so problematisch, denn die Praxis reguliert sich hier dadurch selbst.
Werden banale Patente erteilt? Es gibt hier praktische Probleme, weil der Stand der Technik erforderlich ist, also dem Datenbestand.
Tauchert: Es gibt es hier nicht.
Weiterhin möchte ich betonen, dass Patente (nur) regionale Gültigkeit haben. Was in Amerika angemeldet wurde, gilt deshalb hier noch lange nicht
Belohnungstheorie: Monopolrecht auf Zeit, dafür wird das Patent Allgemeingut. Ausführliche Recherchen nötig und möglich.
[erläutert Gesetzestexte auf Folie]
Das Patentwesen findet nach und nach zu einem dynamischen Technikbegriff. Der Begriff der Technik ändert sich in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung.
Neuheit: Nirgends auf der Welt vorher bekannt.
Von der patentrechtlichen Seite ist es ein komplexes Thema. Es sollte systematisch diskutiert werden.
Software-Ansprüche lassen sich als Hardware-Ansprüche umformulieren. Beispiel: VITERBI- Alogrithmus. Wenn im Patentanspruch nur Algorithmus gestanden hätte und nicht die Anwendunge zum Senden von Signalen über gestörte Kanäle dann wäre es nicht patentierbar gewesen. So ist es aber patentiert worden für die eine Anwendung.
Viele Patentinhaber schätzen in der Praxis ihren Schutz so hoch ein.
Zum Vorwurf das hauptsächlich große Firmen profitieren, z.B.Siemens,IBM: Die meisten Patente gehören mittelständischen Firmen. Für sie ist es der einzige Weg in den Wettbewerb.
Beispiel: Patent eines Stuttgarter Uni-Profs (Bauer?) über mehrdimensionale B-Bäume. Frucht schwerer geistiger Arbeit. Dank Patentierung konnte Prof B einen japanischen Lizenznehmer finden, der den B-Baum-Algorithmus in seiner Datenbank einsetzt.
Es gibt auch Unterschiede zwischen dem Patentrecht der EU und dem der USA. Die USA haben immer noch ein altes Patentrecht. In der EU gibt es eine Offenlegung. Es ist also auch eine Möglichkeit mit wenig Geld (100DM ?) etwas zu veröffentlichen und damit dafür zu sorgen, dass niemand anderes das Patent darüber erhalten kann. In den USA fehlt weiterhin ein Einspruchsverfahren.
Ein Beispiel sind die Prozesse von Apple gegen Microsoft und der andere von Lotus wegen des Spreadsheets. Beide Prozesse wurden vom Kläger verlohren, wurden aber nur auf Basis des (amerikanischen) Urheberrechts geführt.
Amazon wusste bei dem OneClick-Patent, dass es diesen Patentanspruch nicht bis zuende durchsetzen konnte. Sie versuchten damit aber den Konkurrenten Barns&Nobles für drei Monate im Weihnachtsgeschäft durch eine Einstweilige Verfügung auszuschalten, um einen Wettbewerbsvorteil zu erlangen.
[Hier fand die Mittagspause und das Mittagsbuffet statt. Es ging weiter mit Fragen an Greg Aharonian.]
Es interessiert sich keiner wirklich für die Qualität der Patente. Ansonsten würden es ja Qualitätkontrollen geben und grundsätzliche Erfolgs- und Qualitätszahlen und Statistiken würden erstellt und veröffentlicht. Das passiert jetzt noch nicht.
[Die Simultanübersetzer wurden mit Ende des Fragenblocks entlassen.]
[keine Notizen über einige der Fragen und Antworten]
Für eine kleine Softwarefirme spielt der Patentschutz kaum eine Rolle. Sie müssen den Vorteil vorher nutzen, ansonsten hat er keinen Wert. Deshalb werden sie das Patentwesen mit den langen Zeiten für eine Gewährung eines Patentschutzes in der Praxis eh nicht verwenden.
Die Nichtpatentierparbeit von Mathematik wird unterlaufen.
Was in Bezug auf Patenten großen Firmen hilft gilt nicht für kleine Firmen, die hier keinen Chance haben mitzuspielen.
Was ist eigentlich an Softwareentwicklung aufwendig?
Es ist die Umsetzung der mathematischen Formel, das Beseitigen von Fehlern nach der Hauptumsetzung (Debugging) und die Unterstützung der Anwender (Support).
Die Frage ist also: Was ist tatsächlich patentfähig?
Wir haben doch einen guten, langen Schutz! [ Auch als Antwort auf an Bogks ersten Punkt gemeint. ]
Beispiel: RSA Verschlüsselung, konnte nicht Frei Implementiert werden. Das war ein Problem bei der E-Mail verschlüsselung im GnuPG Projekt, was auch vom BMWi gefördert wird. Beispiel: mp3, Beispiel: DVD unter Linux
Ein Kompromiss mit dem heutigen Patentsystem wäre es den Open Source Entwicklungen eine freie Verwendung der Patente zu gestatten.
Jedem steht weiterhin frei, wie er seine Software schützen will. Er kann dazu nach Wahl eigene Geheimhaltung, den Urheberschutz oder Patente nehmen.
Für jede Erfindung, auch die kleinen, muss die Frage der Entdeckungshöhe geklärt werden.
In Bezug auf Patente und Open Source Entwicklungs ist noch anzumerken, dass das Experimentieren im privaten Bereich jedem Weiterhin frei gestellt ist. Patente schützen nur die gewerbliche Anwendung.
Die Entwicklung Freier Software ist durchaus kommerziell.
Softwarepatente sind nicht mehr zu verhindern. TRIPS schreibt sie vor.
Lösungsvorschlag (http://www.think-ahead.org/Cyberlaw/open_patents.html)
Offene Patente anmelden damit die Gemeinde ein Portfolio für Verhandlungen hat.
Die Gründung einer Instanz für die Überwachung.
Damit wäre die Technizitätdebatte überflüssig.
Die öffentlichen Forschungsanstalten könnten so auch mitmachen. Ansonsten drohten ihnen Einschränkungen.
Zur Beleuchtung weiteren Beispiele aus der Praxis: Nehmen wir den VITERBI Algorithmus aus dem bekannten Beispiel. Herr Braun baut diesen in sein Betriebssystem ein. Laut Herrn Hössle ist das ohne Problem möglich, weil das Patent für eine Andere Anwendung angemeldet wurde. Nun wird das Betriebssystem mehrmals weitergegeben und irgendjemand baut daraus weitere Software und gibt sie weiter. Nun kommt ein Benutzer auf die Idee für einen anderen Zweck doch wieder Signale über gestörte Kanäle zu senden. Nun ist er auf eine Patentmine in seiner Software getreten. Die kann er aber auch nicht vermeiden, weil sich davon potentiell tausende in seinem Quellkode befinden.
Für Freie Software Entwicklung bedeutetn Softwarepatente ein Minenfeld. Für jede Stunde Softwareentwicklung die gleiche Zeit an Patentrecherche zu investieren ist in der Praxis unmöglich. Und hier ist es wo Softwareentwickler sagen: Softwarepatente sind arg hinderlich.
Das ist eine Frage der Wirtschaftspolitik, also eine politische Frage. Es geht darum, wie das Neuland der neuen Ökonomie abgesteckt wird. Ich verweise auf den Artikel von Eric Raymond der etwa lautet "Inbesitznahme der Geistessphäre" -- "Homesteading the Noosphere" -- aber damit etwas ganz anderes als "Geistiges Eigentum" meint. Wir müssen abschätzen, was für die Weiterentwicklung gut ist.
Freie Software versucht ja auf ihre Weise gerade den Diebstahl an den Ideen zu verhindern.
Es liegt die Philosophie zugrunde, Wissen breit miteinander zu teilen.
Der Aufwand bei der Softwareentwicklung ist nicht die Idee (also der Algorithmus).
Warum gibt es Angriffe auf die Freie Software: Es ist ein neues Entwicklungsmodell. Die eigentlichen Attacken auf Freie Software beginnen jetzt erst.
Eine wesentliche Eigenschaft von von Open Source Entwicklung ist die schritteweise und teilbare Entwicklung. Wenige zentrale Patente können die gesamte Bewegung blockieren. Beispiel: LZW im GIF Format, und Software funktioniert eben nicht ohne Standards.
Patente vergiften die Softwareökologie.
[Es werden viele Hände gehoben]
Mit der Dienstleistung an Freier Software.
Die Abgrenzung was nun bei Software patentierbar ist, und was nicht, ist mir immer noch nicht klar. Und ich habe alle Patentexperten auf dem Gebiet gehört.
Grundsätzlich haben Patente und das Urheberrecht auch eine Beziehung zueinander, die nicht aussen vor gelassen werden kann.
Wir haben gesehen, wie Softwarepatente als Waffe eingesetzt werden können. Der Konflikt ist anscheinend woanders und nicht einfach nur im bestehenden Recht. Er liegt in der Freiheit der Informationen.
Was sollte nun der Wirtschaftminister machen?
Auf jedenfall sollte er dem Entwicklungsmodell der freien Software fördern.
Das Beispiel Microsoft zeigt, welche Gefahren und Sicherheitsrisiken es birgt hier nur auf eine Karte zu setzen.
Der verfassungrechtliche Zusammenhang ist ebenfalls wichtig. Möglicherweise braucht die Informationsgesellschaft Absicherungen auf Verfassungsebene wie z.B. die unbedingte Freiheit, selbst erarbeitete Informationen weiterverbreiten zu dürfen.
Andererseits gibt es schon berechtigt den Anspruch, dass alles transparent und verständlich sein sollte.
Was den Kompromiss der Bereitstellung von Open Source Software [ oder Patenten für Open Source Software ?] angeht, so betreten wir Neuland.
Vor zehn Jahren gab es einmal den Ansatz ein eigenes Gesetz für den Schutz von Software zu entwicklen. Was ich immer befürwortet habe.
Ist das ins Netz stellen von Programmen nicht unter Umständen schon gewerbliche Nutzung? Schliesslich wird damit indirekt Geld verdient.
Weiterhin kann es einen Patenportfolio der Freien Software nicht geben, weil es nich eine wirkliche Interessensgemeinschaft geben wird, welche die Freie Softwaregemeinde hinreichend vertritt. Gerade bei dieser Gemeinde gibt es einen verwurzelten Widerstand gegen eine solchen institutionalisierte Organisation.
Mit dem LIVE-Verband versuchen wir auch eine Interessenvertretung aufzubauen. Alle werden wir aber nicht vertreten können, wie ich gerade erläutert habe.
Die neue Software und Informationen passen einfach nicht mit vielen der alten Regeln zusammen.
Was die Neuheitsschonfrist angeht, die oft erwähnt wurde, so bedeutet sie nur, dass es schon eine Vorbenutzung des Verfahrens gegeben haben darf. Es heisst nicht, dass in der Schonfrist andere Gruppen das Patent nutzen dürfen.
Hätte schon früher Softwarepatente gegeben, dann wären auch viele Unix-Techniken patentiert worden, und GNU/Linux hätte nie entstehen können.
Die GNU-Programme war natürlich dennoch nicht nur Nachbildungen, sondern sie waren auch verbessert und sicherer gemacht.
Patente stehen eindeutig im Widerspruch zur Förderung dieser Entwicklungen.
Der Widerspruch ist in unserer Runde klar zu erkennen: Es gibt entweder Softwarepatente oder Freie Software. Die Kreuzlizensierung (die hier mehrmals vorgeschlagen wurde) ist nur bei grossen Firmen machbar. Softwarepatente fördern also die grossen Unternehmen.
Recherchieren ist angesichts der Massen an neuen Softwarepatenten unmöglich. Die Rechtsabteilung eines Softwareunternehmens müsste zehnmal so gross sein, wie die Entwicklungsabteilung.
Auch ich bin schonmal auf eine solche "Patentmine" getreten.
Weiterhin ist mir nicht klar, was die bisher erwähnte Schonfrist sein soll.
Es gibt nun mehrere Wege auf denen etwas getan werden kann.
Keiner dieser Vorschläge widerspricht TRIPS. Aber es gibt einen Gedanken, der zumindest dem Geist von TRIPS widerspricht, den ich hier aber trotzdem vortragen möchte: unsere europäische Softwarebranche zieht im internationalen Patent-Schach den Kürzeren. Das bedeutet einen unmittelbar spürbaren Verlust an Steuergeldern. Steuerartige Abgaben werden an amerikanische Großunternehmen statt in unseren Bildungsetat fließen.
Es geht hier schliesslich um Qualität. Und die spielt geselltschaftliche eine Rolle. Wenn alles über Computer läuft, geht es auch um die "virtuellen Recht"; Patente sind eine empfindliche Freiheitseinschränkung. Sie rühren an grundlegende Rechtsgüter, die noch ungenügend gewürdigt werden.
Software ist vergleichsweise neu und die Freie Software bringt ein völlig neues Geschäftmodell. Es kann sehr gut sein, dass hier Technik und Fortschritt völlig anders funktionieren und Patente nun tatsächlich hinterlich sind, was von Softwarepatentvertretern noch nicht in Betracht gezogen wurde.
Die zweitbeste Lösung wäre, dass alles Softwarepatente für Open Source frei verwendet werden können.
Erst dann stehen an dritter Stelle weitere Kompromisse.
Damit ist für uns klar, dass Patente eine Behinderung der Entwicklung von Wirtschaftssoftware darstellen.
Sie sehen beim Patentsystm auch, dass Imitatoren andere Möglichkeiten schaffen müssen und das auch tun.
Auch die Kreuzlizensierung wird schon praktiziert. Es gehört eben einfach dazu sich in diesem Sinne wettbewerbsfähig zu verhalten.
Was die Neuheitsschonfrist angeht, so ist sie hauptsächlich für Wissenschaftler gemacht worden, die erstmal Artikel veröffentlichen wollen und dann später das Patent vollständig anmelden.
Zur Recherchierbarkeit: Hier gibt es natürlich Grenzen durch Praktische Problem.
Es ist durchaus erlaubt den grundsätzlichen Ansatz bei Softwarepatenten in Frage zu stellen. Schliesslich ist der Rechtsrahmen auch nicht Gott-gegeben.
In einer Aufsehen erregenden Veröffnetlichung hat ein Herr Turow [?] gefordert, dass zwei bis drei verschiedene Schutzformen entwickelt werden.
Hier müssen auch noch prizipielle Überlegungen angestellt werden: Sollen Geschäftsmodelle patentiert werden. Denn diese sind sicher nicht technischer Natur.
Ein interessanter Lösungsansatz ist auch die Zwangslizensierung.
Ich werde jetzt deshalb keine weiteren Schlussfolgerungen von uns [ gemeint ist das Podium ] anschliessen. Bitte schreiben sie weiter Pressemitteilungen und Stellungnahmen und schicken sie uns. Wir werden sie dann auf unseren Webseiten veröffentlichen.
Weiterhin werden wir uns überlegen, wie wir diese Diskussion weiter fortsetzen.