Patentierbarkeit und Demokratie in Europa

Monopolvergabe außer Kontrolle?

Die Europäische Patentorganisation (EPO) erteilt jedes Jahr gegen den Buchstaben und Geist des Gesetzes Tausende von Patenten auf “computer-implementierte” Algorithmen und Geschäftsmethoden, und versucht nun schon zum dritten Mal, diese Praxis auf dem Wege europäischer Rechtssetzung durchzusetzen. Eine Glaubensgemeinschaft ministerieller Patentbeamter hält die Legislativgewalt fest in ihrer Hand und betreibt eine Karikatur von “Innovationspolitik”, die uns exemplarisch vor Augen führt, was heute in Europa schief läuft.

Der Widerstand gegen Softwarepatente erfordert eine europäische Demokratiebewegung – bei einer Podiumsdiskussion mit europapolischen Akteuren am 10. Juli in München wird Hartmut Pilch diese Position vortragen.

Softwarepatente sind Verbotsvorschriften, mit denen Softwareentwickler unter Androhung kostspieliger Prozesse und ruinöser Sanktionen gehindert werden, eigenständig kreativ tätig zu werden und die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Der patentierte Webshop ist kein Witz: wer die weitreichenden Verbote (Patentansprüche) nicht ernst nimmt oder fahrlässigerweise eng auslegt, wird von klägerfreundlichen Patentgerichten in Deutschland schnell zur sofortigen Zahlung von 5 oder 6-stelligen Lizenzsummen verurteilt, bevor er überhaupt die Gelegenheit für eine (auch nicht ganz billige) Nichtigkeitsklage bekommt. Dank neuer EU-Gesetzgebung (Rechtedurchsetzungsrichtlinie 2004/48) verschärft sich die Lage ab August 2008 weiter.

Eigentlich sind Softwarepatente in Europa nach wie vor gesetzlich verboten. Dennoch erzeugt das Europäische Patentamt, aufgrund abenteuerlicher Gesetzesauslegungen, jährlich einige Tausend solcher Patente. Inzwischen dürften es an die 50000 sein. Gemeinsames Merkmal dieser Patente sind weitreichende Verbotsbestimmungen (im Patentjargon “breite Ansprüche”), die aufgrund von mehr oder minder trivialen Leistungen rein gedanklich-rechnerischer Art erhoben werden. Das Patentwesen verwandelt Gold in Steine: auch aus genialer Software werden unter der Regie von Patentjuristen breite und triviale Ansprüche.

Von 1997 bis 2005 unternahm die Patentbranche mehrere Anläufe zur Legalisierung von Softwarepatenten, die alle scheiterten.

Dabei spielte die Webpräsenz eine wichtige Rolle als Wissensbasis, die eine breite und kompetente Opposition befähigte, dem Gesetzgeber Alternativen aufzuzeigen.

Wir versuchen, diese Quelle Schritt für Schritt in eine neue kollaborative Architektur zu integrieren und weiterzuentwickeln.

Aufbau dieser Webpräsenz

Unsere Dokumentensammlung besteht vor allem aus folgenden Teilen:

Andere einschlägige Präsenzen

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http://eupat.ffii.org
© 2007-04-05 Hartmut PILCH