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2003/05/07 BXL: Vom Juristischen Wortspiel zu Erteilten Softwarepatenten

An diesem ersten Tag einer zweitägigen interdisziplinären Konferenz in Brüssel am und im Europäischen Parlament bringen wir Programmierer, Ingenieure, Unternehmer, Juristen, Ökonomen und Politiker zusammen, um die gesamte Kausalkette zwischen vorgeschlagenen Patentierbarkeitsregeln und politischen Zielen und Werten der Europäischen Union wie z.B. Innovation, Wettbewerb, schlanke Verwaltung, Rechtssicherheit, IT-Sicherheit, E-Europa, E-Inklusion, und "bis 2010 die wettbewerbsfähigste Informationsgesellschaft der Welt werden".

Zeit und Ort

Zeit:
Mittwoch 2003/05/07 09.00-18.00
Ort:
Brüssel Boulevard Charlemagne 11-19 (Nähe Eur. Kommission, 5-10 Gehminuten vom Europäischen Parlament) Dorint Hotel
Eine Karte mit Wegbeschreibung findet sich auf dem AEL-Wiki.

Simultandolmetschen ist wenigstens für DE-EN, FR-EN und ES-EN verfügbar

Allerlei Projektoren, einschließlich Multimedia-Projektor (Beamer) stehen zur Verfügung.

Konferenzprogramm

wann?worüber?wer?
09.00Software Patents -- The U.S. as a Test Case
Keynote Speech: Learning from American Mistakes
The hearings held by the U.S. competition agencies paint a darker picture of U.S. practice than the report than the report on which the Commission relies, and the Undersecretary for Intellectual Property has described the Patent Office as an agency in crisis. What can Europe learn from the U.S. experience?
Prof. Lawrence Lessig
Co-Panelists:
Mozelle W. Thompson (Commissioner, US Federal Trade Commission)

Brian Kahin (Professor for Information Policy Studies, Univ. of Michigan)

10.00Bürgerrechte unter Überlappenden Eigentumssystemen
Some companies have used patents to obtain broad exclusion scopes which copyright denied them. Some are using patents to make their competitors, copyright property useless. Proponents of the directive say that "patents and copyright are complementary and may overlap", whereas earlier doctrines called for a clear separation of spheres of property. How has such overlapping worked in semiconductor topography and areas? Will the broadest property right always win out? Are civil liberties crushed under a broadness competition? How can an integrated system of intellectual/industrial be (re)created?
11.00Patente und Europas Rechtsstruktur
  • With the challenges facing the European and global patent system(s), how should decisions on software and business methods be made? And by whom?
  • What can a EU directive achieve in the context of concurrence between inter-governmental treaties and EU Law?
  • Reinier Bakels (Amsterdam University, author of a EU-sponsored study on software patents)
  • RA Roman Sedlmaier (German attorney and writer of much-cited articles, coiner of the term "confusion by clarification")
  • Jozéf Halbersztadt (Examiner at the Polish Patent Office[2])
  • Dr. Luuk Van Dijk (vosn.nl, Niederlande)
  • Mikko Välimäki (effi.org, Finnland)
  • MEP Toine Manders (IP expert of ELDR, Niederlande, author of JURI amendment 72, which calls on the commission to withdraw the directive because the fact that the European Patent Convention and Community legislation exist alongside each other makes the current legal rules concerning the granting of patents unnecessarily confusing.)
  • Kahin
12.00Buffet 
13.00Invention Concepts in Europe and the Resulting Patents
  • Did the European Patent Office really grant software patents "from its earliest days", as MEP Arlene McCarthy says in her report? What were the original standards of the EPC and how did the EPO change them from 1973 to 2003?
  • Were the changes motivated by evoltion of technology or by internal political evolutions of the patent system? How many patents of which types were granted as a result? Were the changes gradual or were there major leaps and revolutions?
  • Was the EPO an innovator or a follower? How do national practises in Europe differ? Is the EPO violating Art 52 EPC? Is there a way back, or would that lead to "irreconcilable conflicts with the EPO", as MEP McCarthy says?
  • What options does the European Parliament have today for defining what is a patentable invention and what not?
14.00Entwicklungen in der Patentierungspraxis
  • Thickets, Holdup, Ambush, Broadcast Litigation, Contract Clauses. Who benefits and who loses?
  • Subsidizing Failure? -- Patents after the Bust
15.00Kaffee 
15.30IT Infrastructure Patents and the Information Society
  • The path of operating system kernel development is cluttered with patents. What kind of services and applications have been affected so far?
  • Yesterday's Innovators Locking In Tomorrow's Innovation? Alcatel's proclaimed strategy of patenting the "Next Generation Internet" and the consequences of a possible domination of software by patent-oriented hardware industries.
  • Microsoft's Patenting Strategies
  • As patent numbers increase and patent quality decreases, is the noose around Free OS Development becoming tighter or looser?
17.00E-Patents and E-Commerce
  • The directive proponents seem to consider advancements in database, groupware, enterprise ressource planning etc to be patentable inventions but distance themselves from "pure business method patents". Can such a distinction prevent the worst in Europe?
  • Recently various E-Commerce companies, not all of which develop software, have been attacked with E-Patents in the US. In many cases, equivalent patents have been granted in Europe and would become enforcible under the proposed directive. How would E-Commerce be affected?
20.00AbendessenTaihon, rue du marché au fromage 35, tel 02-514 50 58

Die Wissenschaftliche Konferenz geht am folgenden Tag (Donnerstag) um 15.00 weiter. Am Donnerstag morgen 9.00 gibt es eine Parlamentarische Anhörung und um 13.00 eine Straßenaufführung zum Thema, siehe Gesamtübersicht der Veranstaltung.

Kommentierte Verweise

->Forschungsarbeiten über die Volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Patenten
Seit Fritz Machlups Bericht an den US-Kongress von 1958 hat sich eine Reihe von Studien über die Wirkungen des Patentwesens auf verschiedene Bereiche der Volkswirtschaft angesammelt. Einige beschäftigen sich mit besonderen Typen von Innovation (sequentiell, in komplexen Systemen) oder mit besonderen Branchen (Halbleiter, Software, Genetik). Alle Studien weisen darauf hin, dass Patente zumindest an dem Ende der typologischen Skala, zu dem Software gehört, die Innovation eher hemmen als fördern. Einige regierungsgeförderte Studien aus dem Umfeld der Patentbewegung (Institute für Geistiges Eigentum etc) kombinieren negative Befunde über die volkswirtschaftlichen Wirkungen von Softwarepatenten mit der Forderung nach Legalisierung von Softwarepatenten.
->Zitate zur Frage der Patentierbarkeit von computer-implementierten Organisations- und Rechenregeln
Einschlägige Zitate aus Rechtstexten, wirtschaftwissenschaftlichen Analysen, politischen Beschlüssen und Aussagen von Programmierern, Informatikern, Wissenschaftlern, Politikern und anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.
->Testsuite für die Gesetzgebung über die Grenzen der Patentierbarkeit
Um eine Patentierbarkeitsrichtlinie auf Tauglichkeit zu prüfen, sollten wir sie an Beispiel-Innovationen ausprobieren. Für jedes Beispiel gibt es einen Stand der Technik, eine technische Lehre und eine Reihe von Ansprüchen. In der Annahme, dass die Beispiele zutreffend beschrieben wurden, probieren wir dann unsere neue Gesetzesregel daran aus. Unser Augenmerkt liegt auf (1) Klarheit (2) Angemessenheit: führt die vorgeschlagene Regelung zu einem vorhersagbaren Urteil? Welche der Ansprüche würden erteilt? Entspricht dieses Ergebnis unseren Wünschen? Wir probieren verschiedene Gesetzesvorschläge an der gleichen Beispielserie (Testsuite) aus und vergleichen, welches am besten abschneidet. Für Programmierer ist es Ehrensache, dass man "die Fehler beseitigt, bevor man das Programm freigibt" (first fix the bugs, then release the code). Testsuiten sind ein bekanntes Mittel zur Erreichung dieses Ziels. Gemäß Art. 27 TRIPS gehört die Gesetzgebung zu einem "Gebiet der Technik" namens "Sozialtechnik" (social engineering), nicht wahr? Technizität hin oder her, es ist Zeit an die Gesetzgebung mit derjenigen methodischen Strenge heran zu gehen, die überall dort angesagt ist, wo schlechte Konstruktionsentscheidungen das Leben der Menschen stark beeinträchtigen können.
->McCarthy 2003-02-19: Vorschlag für Geänderte Softwarepatent-Richtlinie
Arlene McCarthy, Abgeordnete der Britischen Arbeiterpartei (Labor) im Europäischen Parlament und Berichterstatterin über die Softwarepatent-Richtlinie, schlägt dem Europäischen Parlament vor, den Entwurf der Europäischen Kommission (und der BSA, daher auch EGK/BSA-Entwurf genannt) mit geringfügigen Änderungen zu verabschieden. McCarthy bekräftigt die patentfreudige Argumentation des EGK/BSA-Entwurfs und übergeht oder entstellt die Argumente der Kritiker. Selbst die vom Europäischen Parlament und anderen EU-Institutionen eingeholten ökonomischen und rechtliche Gutachten finden keine Berücksichtigung. McCarthys ökonomische Argumentation erschöpft sich in unbelegten Suggestionen, wie etwa dass große Telekommunikationsfirmen ihre wertvolle Forschungsarbeit nur mit Patenten finanzieren können, dass kleinere Unternehmen europäische Patente brauchen, um in den USA konkurrieren zu können, dass Patente "offensichtlich" benötigt werden, um den Transfer von Arbeitsplätzen aus Europa in Billiglohnländer abzusichern. Wo McCarthy von "comuter-implementierten Erfindungen" spricht, meint sie Computerprogramme [ im Kontext von Patentansprüchen ]. Diese "gehören ihrem ureigensten Wesen nach zu einem Gebiet der Technik". McCarthy fordert, dass "unversöhnliche Konflikte mit dem Europäischen Patentamt vermieden" werden müssen. McCarthy will "der Patentierbarkeit klare Grenzen setzen" und zugleich "sterile Diskussionen über technische Effekte and Ausschlüsse von der Patentierbarkeit" vermeiden. Sie löst diesen Zielkonflikt auf, indem sie fordert, dass alle nützlichen Ideen, einschließlich "erfinderische Geschäftsmethoden" patentierbar sein müssen. Als einziges Kriterium verbleibt der Wunsch, dass Patente "nur für ehrlich gemeinte Erfindungen (bona fide inventions) erteilt werden sollen". McCarthy schlägt vor, das Europäische Patentamt (EPA) als höchsten Regulator der Patentierbarkeit anzuerkennen und die von einigen wenigen einflussreichen Leuten am EPA getroffenen Entscheidungen unumkehrbar und europaweit verbindlich zu machen.
->Swpat Conference Amsterdam 2002-08-30..1 (Columbanus Symposium)
Hartmut Pilch is attending a conference hosted by Prof. Bernt Hugenholz and Reinier Bakels from University of Amsterdam about the typology of innovations in the software and business method area and the implications of various rules for defining what is patentable, including the European Commission's recent proposal for a directive and hopefully also our widely supported counter-proposal.
->Information Economy and Swpat Conference Paris 20020610-1
Institut Français des Relations Internationales (IFRI.org) and Center of Information Policy Research at Mariland University (CIP.umd.org) are organising a transatlantic conference on information economy and in particular on the limits of patentability as well as the problems in neighboring areas such as database exclusion rights and copyright. Hartmut Pilch is participating on behalf of FFII and Eurolinux on two of the panels.



Anmerkungen

[1] spricht nur für sich selbst, nicht für seinen Arbeitgeber
[2] spricht nur für sich selbst, nicht für seinen Arbeitgeber
[3] subject to confirmation

[ 2003/05/07-08 BXL: Softwarepatente: Von Juristischen Wortspielen zur Ökonomischen Wirklichkeit | 2003/05/08 BXL: Softwarepatente und Europas Wettbewerbsfähigkeit | 2003/05/07 BXL: Vom Juristischen Wortspiel zu Erteilten Softwarepatenten | 2003/05/07-8 BXL Logikpatente Konferenzbeiträge ]

http://swpat.ffii.org/termine/2003/europarl/05/07/index.de.html
© 2003/09/18 (2002/01/02) Arbeitsgruppe