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Hintergrundinformationen zur Entscheidung des Parlaments
Tag der Bananen-Union

Das Europäische Parlament hat bereits durch eine Reihe von Änderungen einen Entwurf der Kommission (in Wortlaut und Geist mit dem des Rates weitgehend identisch) zurückgewiesen. Diese Änderungen spiegeln die Anforderungen der überwiegenden Mehrheit der Software-Entwickler und der mit Innovations-Politik beschäftigten Forscher wieder, eingeschlossen die Autoren der von der Kommission in Auftrag gegebenen Studien und die Mitglieder der EU-Beratungsgremien.

The competitiveness of European enterprises in the face of globalisation - How it can be encouraged

Die Stellungnahme, unterschrieben von den regionalen Regierungschefs, warnt, dass das Patentsystem nicht universell anwendbar ist und insbesondere nicht auf Software ausgeweitet weren sollte.

Study by Dirk W.F. Verkade, professor of IP law, commissioned by Dutch Ministery of Economic Affairs, published as a book with ISBN 90-5409-267-X. The book's main thrust is that extension of patentability to software is very dangerous and the power copyright in the software business should not be underestimated.

  • Die Erteilung von Softwarepatenten begann in den USA (wie auch in Europa) ohne Einfluss der Legislative.
  • Zweifel an der Fähigkeit des US-Patentamtes, Softwarepatente betreffende Entscheidungen zu bewältigungen, und die Frage, ob es überhaupt genug Wissen und Informationen über Prior-Art zur Verfügung hat.
  • Der Software-Markt unterscheidet sich von traditionellen Gewerbezweigen: Kleiner bis nicht vorhandener Markt für "Komponenten", die meisten Leute schreiben Programme von Grund auf, keine Konsultation von Patent-Literatur, hohe Patentverletzungs-Chancen
  • Die Innvotion findet in der Software-Entwicklung schneller statt als in anderen Gewerbezeigen, häufig werden Patente erteilt, nachdem die Technik veraltet geworden ist.
  • Softwarepatente bergen die Gefahr, die Innovation in der heimischen Software-Entwicklung auszulöschen und auf Großkonzerne zu beschränken, die untereinander Cross-Licensing-Abkommen abschließen

Study on the desirability of software patents ordered by the Directorate General Enterprises of the European Commission, performed by UK researchers among SMEs, large enterprises and research institutions.

  • None of the examined groups makes a lot of use of patents to protect their (software) investments.
  • SMEs think they will not have a chance when protecting patents in front of a court due to a lack of money.
  • Given the short life span of computer programs, SMEs think they can better spend their time on the development of new programs, than on obtaining patents.
  • Large companies patent more than small companies.
  • "SMEs consider the creation and implementation of undesirable laws as one of their primary concerns."
  • "There is a general consensus that the patentability of software will probably pose a growing a concern for SMEs."

In Auftrag gegeben von der Generaldirektion Binnenmarkt und durch eine londoner Gruppe von Patentanwälten durchgeführt, die für ihr Eintreten für Softwarepatente bekannt sind. Offenbar als Reaktion auf die Eurolinux-Petition wurde die anfängliche Anwalts-Studie "Studie über Volkswirtschaftliche Auswirkungen" umbenannt und ein Volkswirtschaftler beauftragt, ein Wirtschafts-Kapitel zu schreiben, welches jedoch nicht zu den Schlussfolgerungen kam, die die Kommission erhofft hatte. Deshalb wurde die Studie für sechs Monate unter Verschluss gehalten, bis sie die Grundlage einer Konsultation (con00) wurde:

Wie in unserer ökonomischen Studie gezeigt (Abschnitt III in unserem Bericht), haben die meisten Volkswirtschaftler Zweifel, ob wirtschaftliche Effizienz, d.h. erhöhter allgemeiner Wohlstand, erreicht wird, indem man Erfindungen bezüglich Computerprogrammen patentierbar macht. Diese Warnung wird unterstützt durch die andauernde, ja wachsende Besorgnis rund um Softwarepatente in den USA. Die Debatte in den Staaten ist noch nicht beendet.

Es gibt keine Belege dafür, dass vom Besitzen von Softwarepatenten ausgelöste positive Effekte die folgenden schweren Bedenken aufwiegen:

  • dass Patente auf triviale sowie alte Ideen erteilt werden und solche Patente zu berücksichtigen oder gar anzugreifen eine schwere Belastung ist, insbesondere für kleine und mittelständige Unternehmen und unabhängige Softwareentwickler;
  • dass Patente die Marktposition der Großen stärken werden; und
  • dass auf Computerprogramme bezogene Branchen Beispiele für einen Industriezweig sind, in dem die Innovationen stark aufeinander aufbauen und dass es ernsthafte Bedenken gibt, ob dort Patente für das Gemeinwohl förderlich sind.

Nach der unerwarteten Entscheidung der nationalen Regierungen, Abstand von den Plänen zu nehmen, den Artikel 52 des Europäischen Patentübereinkommens zu ändern, kündigte die Kommission eine weitere "Konsultation" an. Vorige Beratungen hatten nur die Klientel der Abteilung für Gewerbliches Eigentum für gewerbliches Eigentum, unter anderem 40 gemeinsame Patent-Anwälte, die Fragen stellten, die nur auf ihre Interessengruppe zugeschnitten waren. Die neue Beratung wurde auf die gleiche Weise durchgeführt, aber auf Grund des höheren öffentlichen Interesses, das der Prozess in der Zwischenzeit erreicht hat, trafen fast 1500 Anfragen von unerwarteten Stellen ein.

Wie viel Prozent der Teilnehmer aus den folgenden Gruppen waren gegen Softwarepatente:

Einzelpersonen98.5%
Kleine und mittelständige Unternehmen95%
Großunternehmen81%
Verbände45%
Benutzer99,6%
Studenten99,5%
Akademiker98,0%
Softwareentwickler95,8%
Patentberufler33%
Regierungen22%

Hieraus ist ersichtlich, dass die Patentfunktionäre der Regierungen noch mehr für die Arbeitsweise des Europäischen Patent-Amtes eingenommen sind, als große Unternehmen und Patentanwälte. Dies ist nicht verwunderlich, da diese Praxis des Europäischen Patentamts von diesen Leuten eingeführt wurde, die ihre Regierungen im EPA-Verwaltungsrat und in der Arbeitsgruppe Patente des EU-Rates vertreten.

Die Kommission schloss aus den Angaben einiger weniger Verbände wie EICTA und UNICE, deren Patentpolitik von Patentanwälten großer Unternehmen dominiert wird, dass sich eine "wirtschaftliche Mehrheit" für Softwarepatente ausgesprochen habe. Jedoch kommen 2/3 der Arbeitsplätze und Steuern im Software-Sektor auf die kleinen und mittelständischen Betriebe, von denen nur sehr wenige Interesse am Patentieren haben.

siehe auch Die "Ökonomische Mehrheit" in der Softwarepatent-Debatte

Eine Umfrage unter mehreren hundert Unternehmen, durchgeführt vom Fraunhofer Institut für Innovationsforschung und Max-Planck-Institut für geistiges Eigentum, in Auftrag gegeben von der Patentabteilung des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, alle mit starker Pro-Patent-Neigung, kam zu folgenden Ergebnissen:

  • Patente sind die am seltensten genutzte und unbedeutenste Möglichkeit, Investitionen in der Software-Entwicklung zu schützen.
  • Im Softwarebereich ist die Entwicklungszeit sehr kurz und Innovationen finden, verglichen mit anderen Branchen, sehr schnell statt.
  • Stärker aufeinander aufbauende Entwicklungen im Softwarebereich als in fast allen anderen Branchen.
  • Rasche Innovation und effektive Entwicklung sind im Softwarebereich viel wichtiger als in deren Branchen, daher sind Hindernisse bei der Durchführung der Entwicklungsarbeit viel ernster.
  • Interoperabilität ist extrem wichtig
  • Forschungs- und Entwicklungsintensität hat keinen Einfluss auf das Patentverhalten
  • Grundregel, wie auch in anderen Branchen, bleibt: größere Unternehmen bekommen mehr Patente
  • "Die These, dass Patente vor allem jungen Unternehmen den Marktzugang erleichtern, konnte nicht bestätigt werden."
  • "Der strategische Nutzen von Patenten im internationalen Wettbewerb ist zwar offensichtlich, aber er ist in der Softwarebranche auf relativ wenige große Unternehmen konzentriert."

Report of the Dutch Ministry of Economic Affairs of 2001

  • "A partial unplanned effect of more conscious handling of the IP and the patenting strategy of companies is the arising of the problem of the `anti-commons'. Parties keep each other prisoner in a patent minefield. [$ldots{}$] Mainly the (high-tech) SMEs suffer from this strategic patenting."
  • "Besides, patents are only part of the total knowledge strategy of companies. For most companies patenting is less important than secrecy and technological lead time."
  • "Innovations of SMEs are relatively more encumbered by existing patent portfolios. They also experience more obstructions to patent things themselves."
  • "Given the differences between sectors and the differences in company sizes, a differentiated patent system is an attractive option from an innovation point of view."

Study by the Dutch Ministry of Economic Affairs.

  • "The importance of the IP-regime as far as innovation is concerned differs per sector. In the biotech and pharmaceuticals patents have an essential role given the long time to earn back investments. In the software sector developments are so quick that patents are used less to earn back investments."
  • "Further, one should look at the innovation obstructions stemming from the trend of patenting enabling technologies (e.g.software) and broadly applicable business methods."

  • Die Studie wurde von der Generaldirektion für Forschung des Europäischen Parlaments in Auftrag gegeben
  • Sie zeigt allgemeine Probleme mit dem Patentsystem als Ganzem auf
  • Das Problem der "Trivialpatente" kann nicht durch verbesserte Patentprüfung gelöst werden.
  • Softwarepatente haben in den USA viele wirtschaftliche und administrative Probleme hervorgerufen.
  • Das Erfordernis eines "technischen Beitrags" im Vorschlag der Kommission ist zu vage und kann leicht umgangen werden, selbst die Kommission gesteht zu, dass es möglicherweise nicht relevant sei (insofern, all dass es nicht alle Geschäftsmethoden von der Patentierbarkeit ausschließt).

Die Monopolkommission (ein dem deutschen Wirtschaftsministerium angehöriges Wettbewerbsbeobachtungsorgan) drückt Besorgnis über die jüngste Praxis der Patentämter und -gerichte beim Erteilen von Softwarepatenten aus. Sie kritisiert diese Praxis als illegal und schädlich für Innovation und Wettbewerb.

Das Staatliches Planungskommissariat Frankreichs veröffentlichte am 17.10.2002 eine Studie über die volkswirtschaftliche Planung, die einen Überblick über die Software-Industrie in Frankreich gibt (270.000 Angestellte, 31,6 Milliarden Umsatz im Jahr 1999) und Frankreichs Software-Industrie durch proprietäre Standards und Patent-Gefahren behindert sieht. Außerdem empfiehlt sie, dass Algorithmen und Geschäftsmethoden nicht patentierbar sein sollten, sowie Formate und Standards geöffnet und Patente für technische Erfindungen, die Software benutzen auf 3-5 Jahre begrenzt werden sollten.

Die Studie wurde von der Generaldirektion Unternehmen der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben.

  • Patente verursachen im Telekommunikationsektor viele Probleme
  • Patente werden dort hauptsächlich strategisch eingesetzt (z.B. um Wettbewerber zu blockieren oder um selbst nicht von einem Konkurrenten blockiert zu werden), nicht um Investitionen zu sichern

Der Wirtschafts- und Sozialausschuss ist das Haupt-Beratungsorgan der EU, diese Stellungnahme wurde durch eine Plenar-Abstimmung bestätigt

  • Der Kommissions-Text erlaubt Patente auf Software, die auf einem Computer ausgeführt wird
  • Der Kommissions-Text schreibt einfach die rechtlich fragwürdige Praxis des EPA fest
  • Der Kommissions-Text verhindert keine Patente auf Geschäfts- und andere Methoden
  • Der Kommissions-Text sichert die Interoperabilität nicht, sondern verwirrt stattdessen die Angelegenheit
  • Zweifel über die Beweggründe der Kommission, die in ihrer Einleitung über verschiedene irrelevante Dinge (wie Piraterie) spricht
  • Keine wirkliche ökonomische Analyse, die Vorteile für kleine und mittelständische Unternehmen zeigt.
  • "Glauben machen zu wollen, es handele sich bei dem dreijährigen Zeitraum, nach dem eine Evaluation durchgeführt werden soll, lediglich um einen jederzeit reversiblen Versuch, ist [...] völlig abwegig, [...]"

  • "Technisch" heißt "Anwendung von Naturkräften um physikalische Effekte jenseits digitaler Information zu kontrollieren" (Artikel 2)
  • Datenverarbeitung ist kein Gebiet der Technik (Artikel 3)

  • Veröffentlichung kann nie eine Patentverletzung sein (Artikel 5)
  • Interoperabilität kann nie eine Patentverletzung begründen (Artikel 6a)

  • Software-Patente haben in den USA dazu geführt, dass Geldmittel aus Forschung und Entwicklung in Patent-Aktivitäten umgeleitet wurden.
  • Mehr Patente bedeuteten weniger Innovation, sogar in Unternehmen, die am meisten patentierten.
  • Die meisten Software-Patente werden von grossen Hardware-Unternehmen gehalten und eher für strategische Zwecke eingesetzt, als um Imitationen von Produkten zu verhindern.
  • Statt sie zu ermutigen, behindern Software-Patente Innovationen auf Gebieten, wo die meisten Innovationen auf vorherigen Entwicklungen aufbaut (wie z.B. Software-Entwicklung).

Die US Handelsbehörde (FTC) veranstaltete Anhörungen unter Softwareunternehmen, die eine allgemeine Abneigung der US-Softwareindustrie gegen Softwarepatente zeigten. In früheren Anhörungen im Jahre 1994 hatten große Unternehmen wie Adobe, Oracle oder Autodesk die Patentierbarkeit von Software entschieden abgelehnt. Diese mal sagte Robert Barr, Vize-Präsident und Leiter der Abteilung für geistigen Eigentums bei Cisco Inc (einer führenden Firma im Bereich der Internet-Technologie, die für viele esl Beispiel für modernes Innovations-Management ansehen):

Nach meiner Beobachtung haben Patente niemals eine positive Auswirkung beim Fördern der Innovation bei Cisco gehabt. Konkurrenz war immer die Motivation; neue Produkte zeitnah auf den Markt zu bringen ist der kritische Punkt. Alles, was wir getan haben, um neue Produkte zu schaffen, hätten wir auch getan, wenn wir keine Patente auf die Innovationen und Erfindungen in diesen Produkten erwerben hätten erwerben können. Ich weiß das, weil mich keiner je gefragt %q(:Können wir das patentierten?), bevor entschieden wurde, ob Zeit und Arbeit in die Produktentwicklung gesteckt werden.

[...]

Die Zeit und das Geld, die wir auf Patentanmeldungen, Patentverfolgung, Patenterhaltung, Patentrechtsstreite, und Patentlizensierung verwenden, hätten man besser für Produkt-Entwicklung und -Forschung nutzen können, was zu mehr Innovation geführt hätte. Aber wir melden jedes Jahr Hunderte von Patenten an, aus Gründen, die nichts mit der Vermarktung oder dem Schutz unserer Innovationen zu tun haben.

[...]

Darüber hinaus schützt das Anhäufen von Patenten nicht wirklich das Problem unabsichtlicher Patentverletzung durch voneinander unabhängige Entwicklung. Wenn wir von einem Patentbesitzer verklagt werden, der keine Produkte herstellt oder verkauft, oder nur in einem sehr viel geringeren Maße als wir es tun, haben unsere Patente keinen ausreichenden Wert für die andere Partei um sie von einem Prozess abzuhalten oder ihre Geldforderungen zu verringern. Statt Innovation zu belohnen, bestraft das Patentsystem innovative Unternehmen, die erfolgreich neue Produkte auf den Markt bringen und bezuschußt und belohnt so diejenigen, die es nicht schaffen.

Der Abschlussbericht der FTC, veröffentlicht in Oktober 2003, kommt zu dem Schluss, dass das Patentsystem in einigen Gebieten (die Pharmaindustrie wird als Beispiel genannt) wettbewerbsfördernd und produktivitätssteigernd wirkt, während es in anderen Gebieten schädlich ist, besonders dort, wo Software- und Geschäftsmethoden betroffen sind. Der Bericht drückt Zweifel an der Weisheit früherer Gerichtsentscheidungen aus, die Patentierbarkeit in diesen Gebieten zuzulassen und schlägt eine Reihe von Massnahmen vor, um zumindest einige Schäden zu reparieren. Die Stellungnahmen in der Anhörung wurden wie folgt zusammengefasst:

Die Vertreter der Computerhardware- und Softwareindustrie betonen generell den Wettbewerbsdruck, fortschrittlichere Technologien zu entwickeln als Antrieb der Innovation in diesen sich schnell verändernden Branchen. Diese Vertreter, besonders die aus der Software-Industrie, beschrieben einen Entwicklungsprozess, der wesentlich weniger kostenaufwendig ist, als in der Pharamazeutik oder der Biotechnologie, und sprachen von einer Produktlaufzeit, die im Allgemeinen wesentlich kürzer ist. Einige Software-Vertreter bemerkten, dass Urheberrechte oder ein "offene Quellen"-Ansatz die inkrementelle und dynamische Natur von Software-Innovationen unterstützen. Sie zweifelten den Wert der Offenlegung durch Patente an, da nicht die Offenlegung des einem Softwareproduktes zugrundeliegenden Quellcodes gefordert wird.

Als eine der "vordringendlichsten Maßnahmen zur Stärkung der Innovation und des wirtschaftlichen Wachstums in Deutschland" empfiehlt ein Bericht von Deutsche Bank Research:

3. Einen ausgeglichenen Schutz des geistigen Eigentums einrichten, um Schaffung und Fluß von Ideen zu fördern. Stärker Schutz ist nicht immer besser. Es ist wahrscheinlich, dass Patente auf Software -- allgemeine Praxis in den USA und gerade dabei, in Europa legalisiert zu werden -- in Wirklichkeit die Innovation ersticken. Europa kann seinen Kurs noch ändern.
Ein Softwarepatent ist ein Patent (20-Jahre-Monopol) auf alle Computerprogramme, die eine Menge bestimmter Fähigkeiten aufweisen.

Seit 1998 lässt das Europäische Patentamt (EPO) Programmansprüche zu, d.h. Ansprüche der Form

Computerprogram [gespeichert auf einem Datenträger], dadurch gekennzeichnet, dass beim Laden des Programms in den Speicher ... [ein Prozess mit bestimmten Eigenschaften ausgeführt wird].

Seit 1986 lässt das EPO Prozessansprüche für Gegenstände zu, wo die "erfinderische" Leistung allein in der Datenverarbeitung liegt und für die daher Programmansprüche passender und ehrlicher gewesen wären.

Artikel 52 des Europäischen Patentübereinkommens (Münchener Übereinkommen von 1973) besagt, dass "Programme für Datenverarbeitungsanlagen", sowie "mathematische Methoden" und "die Darstellung von Informationen" keine Erfindungen im Sinne des Patentrechtes sind. Die Prüfungsrichtlinien des Europäischen Patentamtes von 1978 erklären:

Ein Computerprogramm kann in verschiedenen Formen vorliegen, z.B. als Algorithmus, Flussdiagramm oder als ein Reihe von Befehlsanweisungen welche auf einem Magnetband oder anderem Computer-lesbaren Medium gespeichert werden und wahlweise als mathematische Methode oder Darstellung von Informationen verstanden werden können. Wenn der Beitrag zu einer bekannten Sache einzig in einem Computer-Programm besteht, dann ist die Sache nicht patentierbar, egal, in welcher Sache sie enthalten sein mag. Z.B. würde der Anspruch auf einen Computer, charakterisiert dadurch, ein bestimmtes Programm im Speicher abgelegt zu haben oder das Arbeiten eines Computers unter Kontrolle eines Programmes, den Anspruch auf das Programm per se oder das Programm gespeichert auf Megnetband unzulässig machen.

In anderen Worten: Wenn die angebliche Leistung angemessen in einem Programmanspruch ausgedrückt werden kann, ist sie keine Erfindung im Sinne des Gesetzes.

siehe auch Art 52 EPÜ: Auslegung und Novellierung

Dieser Begriff wurde im Mai 2000 vom EPA als eine sprachliche Beschönigung für "Computerprogramme im Zusammenhang mit Patentansprüchen", d.h. Nicht-Erfindungen im Sinne des heutigen Rechts, eingeführt. Dieser Begriff ist Teil des "Trilateral Project", einem Versuch der Patentämter, einheitliche Richtlinen für die Patentierbarkeit "computer-implementierter Geschäftsmethoden" in den USA, Japan und Europa zu schaffen.

Der Vorschlag der Europäischen Kommission nutzt die EPA-Definition, während das Europäische Parlament den Begriff neu definiert hat, um das Gegenteil auszusagen: Technische Erfindungen (technische Lösungen, die auf Naturkräfte zurückgreifen), für deren Implementation ein Computer benutzt wird. Die Arbeitsgruppe des Rates hat wiederum eine andere Definition, die sowohl technische Erfindungen als auch Software-Entwicklungen einschließt.

Patentrecht ist ein Wirtschafts-Recht und praktisch alle Wirtschaftsstudien kommen zu dem Ergebnis, dass Softwarepatente hauptsächlich negative Auswirkungen haben. Die Kommission führte keine sorgfältige Studie zur Bewertung der Auswirkungen durch. Die Mehrheit der europäischen Unternehmen ist gegen Software-Patente! Die beratenden Organe (COR99, ESC02) und zwei betroffene Gremien des europäischen Parlamentes rieten von der Legalisierung der Praktiken des EPA ab.
Natürlich! Der Großteil der Investitionen für Softwareentwicklung wird geschützt durch das Urheberrecht und vereinzelte andere Schutzmittel (die einen funktionierenden Urheberrechtsschutz benötigen). Softwarepatente untergraben den Schutz, den das Urheberrecht bietet.
Die Version des europäischen Parlamentes erlaubt Patente auf neue Arten, sich Naturkräfte zu Nutze zu machen, ungeachtet ob ein Computer benutzt wird oder nicht. Einige Patente im Telekommunikations- (und Elektronik-)Sektor sind allerdings so abstrakt und breitgefächert, dass sie, im Zeitalter der "Medien-Konvergenz", Programmierung im Internet abdecken würden. Es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass reine Software-Patente eine positive Auswirkung auf die Innovation haben werden.

siehe auch Warum Software -- insbesonder Embedded Software -- nicht patentierbar sein sollte und FFII-Interessenlage zur EU-Softwarepatentrichtlinie

Nein. Im Gegenteil, die Versionen der Kommission und des Rates verletzen wohl TRIPS.

siehe Der TRIPs-Vertrag und Softwarepatente

Nein. Die Texte von Kommission und Rat führen in Europa eine Praxis ein, die von keinem Gericht akzeptiert wird und es dadurch erheblich schwieriger macht, 30.000 Patente auf Software und Geschäftsmethoden anzufechten, als es im Moment ist.
Alles, was ein Computer tun kann, ist Daten zu verarbeiten, z.B. Rechnen mit symbolischen Ausdrücken. Wenn er eingesetzt wird, um eine Erfindung zu kontrollieren, verarbeitet er lediglich Daten, aber die angeschlossenen Geräte tun eventuell etwas patentierbares. Dieser Artikel sichert Kompatibilität mit dem TRIPs-Abkommen und stellt klar, dass nur externe Prozesse, aber nicht die Software als solche patentierbar ist.
Die Richtlinien-Befürworter haben darauf bestanden, dass das Konzept des "technischen Beitrages / Effekts" das einzige akzeptable Kriterium sei, um eine Patentierbarkeit einzuschränken und sie bestanden weiter darauf, dass diese Richtlinie klarstellen soll, was patentierbar ist und was nicht. Es folgt daraus, dass eine Definition beötigt wird.

Der Bezug auf "Naturkräfte" ist im traditionellen Patentrecht omnipräsent. Der Begriff wurde im skandinavischen Patentrechts-Vertrag kodifiziert , sowie in verschiedenen anderen Patent-Gesetzen in Osteuropa und Ostasien. Er erscheint in den meisten Entscheidungen gegen die Patentierbarkeit von Software von deutschen, aber auch US-amerikanischen, französischen und vielen anderen Gerichten.

siehe Patentjurisprudenz auf Schlitterkurs -- der Preis für die Demontage des Technikbegriffs

In der Tat gibt es heute einen Trend zur Konvergenz. Jeder versucht, auf der materiellen Ebene zu abstrahieren und soviele Probleme wie möglich mittels Datenverarbeitung zu lösen. Das kommt davon, dass Datenverarbeitung so bequem ist, so berechenbar, so einfach.

Es mag modern sein, Dinge einfach zu machen, aber ist es auch modern, einfache Dinge zu patentieren?

Die Kommission garantiert nur das Recht zum reverse engineering, welches nicht von vornherein durch ein Patent untersagt werden darf. Aber ihr Vorschalg erlaubt die Nutzung der Resultate nicht. Das Kartellrecht ist zu schwach und zu langsam um dieses Problem zu lösen.
[ Was passierte am 7. März 2005 | Scheinbegrenzungen der Patentierbarkeit im Ratsentwurf | Rat 2004-05-18: Eine unqualifizierte Mehrheit | Hintergrundinformationen zur Entscheidung des Parlaments | Wie soll es weitergehen? Schritte aus der erstarrten Europäischen Softwarepatent Situation | Draft Letter to Luxemburg Head of State Concerning Software Patent Directive ]
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© 2005-04-16 Hartmut PILCH
deutsche Version 2004-08-05 von Bernhard KAINDL